Esther Narbeshuber: Embodiment-Übung
Esther Narbeshuber hat als vielfach erfolgreiche Unternehmerin das Mindlead Institut (MLI) gegründet und ist eine langjährigen Kooperationspartnerin und Konsulentin der Trigon Entwicklungsberatung.

Wir alle kennen Menschen, die ihre Überzeugung tatsächlich „verkörpern“ und für ihre Position „stehen“. Unser Körperausdruck ist neben dem, was wir sagen, ein wichtiger Kommunikator, den man bewusst einsetzen und verstärken kann. Wenn es im Coaching darum geht, dass die Coachee ein bestimmtes Muster durchbrechen will, z.B. sie möchte lernen, Nein zu sagen, kann das Instrument des Embodiment sehr unterstützend wirken.

Zeitaufwand

rund 20 Minuten

Material und räumliche Rahmenbedingungen

Keine Materialien erforderlich.

 

Indikation

Dieses Instrument kann sehr gut eingesetzt werden, wenn die Coachees eigene Muster durchbrechen und neue Handlungsoptionen etablieren möchten.

Prozessziel

Psychische Zustände drücken sich im Körper aus, z.B. durch Gestik, Mimik, Körperhaltung. Aber auch umgekehrt beeinflussen Körperzustände die psychische Verfassung. So haben Körperhaltungen Auswirkungen auf Kognition (z.B. Urteile, Einstellungen) und Emotionen. Wenn ich mich zum Beispiel ganz gebückt und in mich zusammengesunken hinsetze, fällt es mir schwer, glaubwürdig zu sagen: „Ich fühle mich stark und produktiv.“ Mit einer aufrechten, gestrafften Körperhaltung ist es dafür fast unmöglich, für andere überzeugend folgenden Satz zu sagen: „Ich fühle mich klein und unwichtig.“ Dieses Prinzip machen wir uns in der folgenden Intervention des Embodiments zunutze. Die Coachees erfahren auf diese Weise auch körperlich, wie es ist, ihr Ziel erreicht zu haben, und können in kritischen Situationen auf die „Unterstützung“ ihres Körpers zurückgreifen.

Ablauf

  1. Schritt: Coachees setzen sich ein Ziel

Die Coachees formulieren als Ziel, welcher Zustand erreicht werden soll, z.B.: „Ich setze klare Grenzen, wenn ich Aufgaben nicht übernehmen möchte.“ Dabei sollten die Coachees neben der positiven Ausrichtung auch auf eine genaue Zielformulierung achten. Wir begleiten die Coachees dann in den gewünschten Zielzustand: Wie fühlt sich das an? Welche Bilder entstehen vor dem inneren Auge? Wie macht sich das im Körper bemerkbar? So kann es zum Beispiel sein, dass die Coachee beschreibt, dass sie sich als wach, klar und innerlich standhaft betrachtet. Vielleicht wie ein Berg, der allen Wettern trotzt, der sich nicht darum kümmert, wer ihn anschaut und welche Bewertungen die Besucher über ihn haben. Neben dieser Standhaftigkeit verfügt der Berg jedoch auch über die Fähigkeit der Weitsicht und des Überblicks. So könnte ein mögliches Ziel sein: Ich bin standhaft wie ein Berg und behalte den Überblick.

  1. Schritt: Embodiment erarbeiten

Nun entwickelt die Coachee eine Körperhaltung, die diesem erreichten Ziel entspricht. Wie würde ein Berg stehen? Zum Beispiel: Ich fühle meine Füße fest auf dem Boden, ich stehe stabil und aufrecht. Mein Kopf ist nach oben ausgerichtet und mein Blick ist offen und entspannt, aber auch aufmerksam nach allen Seiten.

  1. Schritt: Embodiment einüben

Um dieses Körpergefühl auch in kritischeren Situationen abrufen zu können ist es hilfreich, dieses mehrmals täglich zu üben, bis die Coachees es automatisch einsetzen können. Laden Sie die Coachees ein, sich feste Übungszeiten einzuplanen, z.B. mit einem Reminder im Kalender. Wenn die Verkörperung gut eingeübt ist, kann dies zunächst in einer leichteren Situation erprobt werden. Diese Situation könnte z.B. sein, dass in einer Besprechung regelmäßig undankbare und zeitintensive Aufgaben vergeben werden. Die Coachee nimmt nun im Rahmen dieses Meetings die innere Haltung eines Berges ein. Nach außen wird vielleicht kaum etwas sichtbar sein, aber das innere Erleben der Coachee ist verändert und es gelingt aus diesem Körperempfinden heraus leichter „Nein“ zu sagen.

Sobald die ersten positiven Erfahrungen gemacht sind, kann das Embodiment auch in schwierigeren Situationen eingesetzt werden. Der Schlüssel ist jedoch besonders in der Anfangsphase stetiges Üben, bis die Übungen gänzlich verinnerlicht sind.

Schlüsselsequenzen und Hinweise

Die Herausforderung besteht darin, dass die Coachees den Zielzustand wirklich innerlich wahrnehmen und spüren können, damit genügend Zugkraft entsteht, die Körperhaltung zu Hause aktiv zu üben. Gerade das „Dranbleiben“ ist hier die große Herausforderung, da sich der gewünschte Körperzustand in kritischen Situationen nur dann herstellen lässt, wenn er gut eingeübt ist und sozusagen sogar „im Schlaf“ beherrscht wird. Wenn Embodiment gelingt, kann dies eine tiefgreifende Erfahrung sein, welche den Coachees wertvolle Unterstützung für neue Handlungsoptionen bietet.

Auszug aus
Johannes Narbeshuber (Hrsg)
In Beziehung. Wirksam. Werden.
Der systemisch-evolutionäre Coaching-Ansatz der Trigon Entwicklungsberatung